Berchinger Literaturwoche

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Mundartlesung 2013

Mundartlesung "Des moußt wissn"

Mi., 02. Oktober 2013, ab 20 Uhr
Gasthaus Kellner in Pollanten

Am 2. Oktober ging es im Gasthaus Kellner
in Pollanten um Gschichten in Mundart.

Verschiedene Mundartkünstler aus dem Raum Neumarkt gaben sich ein Stelldichein, lasen aus ihren Werken oder erzählten Erlebtes zum Schmunzeln. Mit dabei waren Stefan Thumann, Markus Beyer, Josef Fechner und Rudi Bayerl. Die Wirtin servierte bayerische Gerichte und das „Schoit’n G’sangl“ die passende bayerische Musik dazu.

Kurzer Rückblick auf die Mundartlesung

Ein volles Wirtshaus drei Stunden lang bestens zu unterhalten, gelingt nicht immer. Bei der Mundartlesung im Pollantener Gasthaus hat es jedenfalls bestens geklappt. Es herrschte prächtige Stimmung bei den Besuchern, das Essen war hervorragend, die Bewirtung sehr freundlich und die gesamte Atmosphäre hätte nicht stimmungsvoller sein können. Herzlichen Dank dafür den Wirtsleuten Sieglinde und Eugen Kellner und dem gesamten Personal.

Die Musikgruppe Schoit‘n Gsang‘l sorgte dafür, dass nach den Leseblöcken keinerlei Langeweile aufkam. Mit ihren bayerischen Gstanzln und stimmungsvollen Liedern brachten die Musiker unterhaltsame Stimmung für die Gäste. Seine Qualitäten als Sänger stellte eingangs auch Bürgermeister Ludwig Eisenreich unter Beweis. Nach der Begrüßung durch Gerlinde Delacroix hieß er als Stadtoberhaupt und selbst begeisterter Anhänger Berchings als Dialekthauptstadt die Gäste herzlich willkommen und hatte mit seinem lustigen Liadl, in das er auch Anwesende mit einbezog, die Lacher auf seiner Seite. Was den Abend so kurzweilig gemacht hat, war sicher auch die gelungene Mischung der Stücke, die von den vier Autoren vorgetragen wurden, von denen jeder einzelne mit Fug und Recht als Original bezeichnet werden darf.

Zum Beispiel Josef Fechner. Der pensionierte und passionierte Uhrmacher habe einen untrüglichen Blick auf das Wesentliche. Um das auszudrücken, bräuchten andere Menschen einen ganzen Roman. So stellte ihn Markus Beyer vor, der an diesem Abend sowohl moderierte als auch selbst verfasste Geschichten vorlas. Mit wenig Worten viel sagen, das kann kaum jemand so wie Josef Fechner. Ein Beispiel:
Radlweg „ I woa alloa am Radlweg
und stöll ganz kurz mei Radl weg.
Kumm i zruck, is s Radl weg”

Josef Fechner hatte sich u a zu folgenden Themen Gedanken gemacht: Liebe, Freud auf a Kind, Jugend, Verheiratet sein, Klassentreffen, Erbschaft, Drachensteigen. Auch ganz neue Stücke brachte Josef Fechner zu Gehör, so z.B. auch Gedanken zum Leben von Christoph Willibald Gluck, dessen 300. Geburtstag nächstes Jahr gefeiert wird. Dabei begrüßte der Autor natürlich die Reihe von Gästen aus dem benachbarten Erasbach.

Zum nächsten Leser, Stefan Thumann, wusste Beyer ebenfalls einiges zu erzählen. Thumann habe es nicht gerne, wenn man ihn als den Neumarkter Toni Lauerer bezeichne, weil er schließlich seinen eigenen Bauch habe. Ob bei seinen Auftritten mit den Kaltenbachsängern, als Sprecher bei Sänger- und Musikantentreffen der Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik, Bezirk Mittelfranken oder im Rahmen seiner Soloauftritte bei verschiedensten Anlässen und Veranstaltungen, Stefan Thumann ist nicht publikumsscheu. "Leute unterhalten, je mehr, desto lieber", so lautet sein Motto. Humorvoll und deftig oder hintersinnig und einfühlsam fesselt er sein Publikum mit Wortakrobatik und Witz und schildert dabei die kleinen und größeren Peinlichkeiten des Lebens gerne aus einem skurillen Betrachtungswinkel. Eine Leseprobe von ihm:
„Rindväicher
Koa oanzigs Rindväich aaf da Ränsch
schdöllt se su bläid ah, wäi da Mensch.
Bervor`s an Zentimeter g`wachs`n,
 schdäids Kaibl schou aaf eig`ne Hax`n,

Stefan Thumann las zwei ganz neue Stücke, die sich um das Zwischenmenschliche drehen, weil „früher da gab es oft Verständigungsschwierigkeiten zwischen Mann und Frau“; „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“; „Es ist schwer, was soll ich anziehen“ (alle Frauen und Männer im Saal nickten zustimmend!), „ Hosen waschen ist nicht leicht – wegen dem Inhalt der Hosentaschen!“; „Stammtischausflug mit verheerenden Folgen"; „ Vatertag“ (Ist Ihnen schon aufgefallen, dass der Muttertag immer an einem Sonntag ist, der sowieso schon ein Feiertag ist, und der Vatertag extra ein Feiertag ist?)

Rudi Bayerl mit der Goldenen Stadtmedaille der Stadt Neumarkt ausgezeichnet, ist seit 1990 ehrenamtliches Mitglied des Neumarkter Stadtrates. Über den gesamten Zeitraum von 22 Jahren übt er zudem das Amt als Referent für Museen und Denkmäler aus. Seit 2008 ist er zusätzlich Referent für das Archivwesen. In diese Zeit fallen die Sanierung des Stadtmuseums, die Sanierung des Schreiberhauses und dessen Bezug durch den Historischen Verein und der Neubau und Umzug des Stadtarchivs in der Bräugasse. Beinahe 40 Jahre lang wirkt Rudi Bayerl als Kreisheimatpfleger und ist auch als Stadtheimatpfleger für Neumarkt zuständig. Seit dem Jahr 1984 vertritt Bayerl die Interessen der Stadt Neumarkt im Kreistag. Seit 1990 ist er darüber hinaus stellvertretender Landrat. Bayerl ist weiterhin langjähriges Vorstandsmitglied des Historischen Vereins, den er seit November 2004 als 1. Vorsitzender führt. Dieser Verein erarbeitet wertvolle Beiträge zur Erforschung und Sicherung der Stadtgeschichte. In vielen weiteren Gremien der Kultur- und Heimatpflege sowie der Bildung ist er Mitglied und bringt dort seit Jahrzehnten sein Wissen um die lokale Geschichte und die Pflege von Brauchtum ein. Er versteht es wie kaum ein anderer besinnliche Texte in Mundart so vorzutragen, dass sich jeder angesprochen fühlt und kurz innehält, um dem Gehörten nachzuspüren. Eine Leseprobe:
Pflegefall?
Schwermetalle im Fleisch
Nitrat im Blout.
Gift in da Lunga
Überhöhte Temperatur
Die Diagnose stöiht schlecht
Du bist krank
Du bist a Pflegefall
Die Kosten zahl ma vo deine Reserven
Du houst doch nu wos aaf da Seitn, oda?
Alte Mutter Erde?

Natürlich war auch von ihm viel zum Lachen dabei, z.B. das Programm in der Landwirtschaft „Für alles gibt es ein Programm, aber nirgends steht, wo ich a junge Bäuerin finden kann. Auch die Oberpfälzer Sage „Vo wem da Schnäi sei Faab hout“ brachte Rudi Bayerl in seiner einzigartigen Stimmlage zu Gehör.

Markus Beyer, der den Abend mit Stefan Thumann moderierte und die Veranstaltung mit organisierte, bewies großes natürliches Talent, die Gäste kurzweilig zu unterhalten. Er, in Pollanten bestens bekannt, schreibt Geschichten aus seiner Erfahrungswelt als Vater von drei Kindern. Bei ihm ging es um folgende Inhalte: Geplagte Eltern beim Martinszug, Erlebnisse als Ministranten und besondere Vorkommnisse beim Sternsingergehen.
Seine Geschichten haben einen besonderen Reiz, da sie ortsbezogen sind und jeder im Saal auch die Menschen, die in seinen Aufzeichnungen geschildert werden, zu kennen glaubt. Man könnte ihm stundenlang zuhören, dem Markus Beyer, da er ein hervorragender Rezitator ist und einen wunderbaren oberpfälzer Dialekt spricht

Die Gschichterl vom Rudi Bayerl und Josef Fechner kann man übrigens nachlesen in den Büchern des Sindlbacher Kreises. Stefan Thumann hat selbst Bücher herausgebracht. Alles in Allem: ein sehr gelungener Abend! Ein großes Dankeschön an alle Mitwirkende!

Bilder der Mundartlesung 2013

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